Blog

Wie klein ist zu klein? Parkplätze werden immer kleiner

Autos auf einem Parkplatz

Finden Sie es neuerdings auch immer schwieriger, Ihr Auto ordentlich zu parken? Keine Sorge, es liegt nicht an Ihnen, auch andere geraten zunehmend in Schwierigkeiten beim Parken.

Autos werden wirklich immer größer, während viele Parkplatzbetreiber ihre Parkplätze und -buchten immer schmaler gestalten und die Fahrzeuge immer dichter aneinanderreihen.

Unsere Autos haben tatsächlich in den letzten Jahren ordentlich zugelegt: um ganze 25% sind sie heute breiter als früher, der Zeit als viele Parkplätze gebaut wurden. Die letzten offiziellen Leitlinien für die Ausmaße von einem Parkplatz gehen bis in die 1990er Jahre zurück, als Autos noch um einiges schmaler als heute waren – und der durchschnittliche Parkplatz ebenfalls.

Wie die Daily Mail berichtet, hat eine Umfrage von Halfords und den Autolackspezialisten G3 Pro ergeben, dass die BMW 3er-Serie über 20 cm breiter als das Originalmodell aus dem Jahr 1975 ist - das stellt natürlich ganz andere Anforderungen an einen Parkplatz und das Parken.

1974 war der Volkswagen Golf 1,6 m breit, während neuere Modelle 1,8 m breit sind und damit ein gutes Stück kräftiger – das fällt besonders dann auf, wenn man versucht, sich in einen engen Parkplatz zu quetschen.

Neben den immer größer werdenden Klassikern gibt es einen besonders deutlichen Größenanstieg bei Geländewagen und SUVs und sie alle versuchen, sich in unsere schrumpfenden Parkplätze zu quetschen.

Der durchschnittliche Parkplatz ist also mitnichten mit den Autos mitgewachsen, den er eigentlich beherbergen sollte.

Allerdings gibt es durchaus nationale Unterschiede: einige Länder sind großzügiger als andere, wenn es darum geht, genügend Platz zu bieten um bequem zu parken und die Außenspiegel ganz zu lassen.

Der französische Standard Parkplatz ist 2,2 m bis 2,3 m groß, während im Vereinigten Königreich für einen Parkplatz auf der Straße eine Mindestbreite von 1,8 m empfohlen wird – wobei die Vorschriften etwas gelockert worden sind. Da das aber ziemlich genau die gleiche Breite ist, die ein moderner Golf hat, wird es natürlich oft sehr eng bem Parken.

Zeitungsberichten zufolge werden wir uns beim Parken künftig zunehmend auf unser räumliches Vorstellungsvermögen verlassen müssen. Im vergangenen Jahr ist der Gemeinderat in Milton Keynes in Buckinghamshire in die Schlagzeilen geraten, nachdem angekündigt wurde, dass aus ursprünglich 5.000 Buchten in dem Parkhaus des Einkaufszentrums zusätzliche 235 Parkplätze herausgeholt werden sollen. Die Kosten für die Verschlankung von nur einem Parkplatz? Umgerechnet knapp 1.700 € pro Parkplatz.

Unterdessen erhielten in Newbury, West Berkshire über 142 Autofahrer saftige Bußgelder, weil sie nicht richtig in ihren Parkplatz eingeparkt haben. Der pensionierte Architekt Stan Green wollte das nicht einfach so hinnehmen und ist durch die Stadt gegangen, hat fast jeden Parkplatz ausgemessen und dabei festgestellt, dass etwa 90% aller Parkplätze unter der empfohlenen Mindestgröße zum Parken liegen.

Einen etwas wissenschaftlicheren Ansatz verfolgte Eurotest, ein Zusammenschluss von 18 Automobilklubs in ganz Europa, der aktuell eine Studie von mehrstöckigen Parkhäusern durchgeführt hat. Am Ende wurde festgestellt, dass Spanien die europaweit schmalsten Parkplätze hat. Die spanische Zeitschrift The Local berichtete, dass es in Barcelona eine vorgeschriebene Höchstbreite für jeden Parkplatz von nur 2,2 m gibt. Der Bericht behauptet, dass der durschschnittliche Parkplatz woanders in Europa in der Regel 20,30 cm breiter ist.

Freie Parkfläche

Eurotests Schlussfolgerung ist, dass jeder Parkplatz mindestens 2,5 m breit sein sollte, damit moderne Fahrzeuge hineinpassen und das Parken unproblematisch ist. Allerdings würde eine solche Erweiterung die Gewinne der Parkhaus-Betreiber merklich verringern.

In den USA ist alles viel weitläufiger und der durschschnittliche Parkplatz in der Regel viel größer, was an und für sich wenig überraschend ist. Ein Bericht von Reidsteel behauptet, dass Parkplätze in Dallas, Texas wie alles andere auch viel größer als anderswo in der Welt sind, nämlich im Durschschnitt stattliche 2,6 m.

In Europa ein großes Auto zu fahren birgt bestimmte Risiken mit sich: die Studie von Halfords und G3 Pro hat ebenfalls herausgefunden, dass mehr als 10 Millionen britische Autobesitzer Kratzer und Schrammen aufgrund von zu engen Parkplätzen bekommen. Diese kleinen Pannen im Parkhaus summieren sich auf beachtliche 650 Millionen Euro pro Jahr in Lackreparaturen. Ein stolzer Preis für etwas so Alltägliches wie parken.

Es sind die Autotüren, die im Parkhaus am ehesten eine Schramme erleiden - sie allein stellen die Hälfte aller Schäden dar. Wenig überraschend, stehen Stoßämpfer gleich an zweiter Stelle (bei 14%), gefolgt von Außenspiegeln (13%) an dritter Stelle.

Aber warum werden unsere Autos eigentlich immer größer? Tja, ein Grund dafür sind wir selbst: unsere moderne reichhaltige (und manchmal zugegebenerweise nicht sehr gesunde) Ernährung hat zur Folge, dass wir immer größer und dicker werden. Die kleinen Autos der 1960er und 1970er Jahre sind heutzutage einfach zu eng für uns. Darüberhinaus stellen wir in der Regel höhere Ansprüche an Komfort als es früher der Fall war.

Des Weiteren müssen eine ganze Reihe von EU-Sicherheitsstandards eingehalten werden. Moderne Vorschriften bestimmen beispielweise, dass Motorhauben und Karrosserieteile geändert werden müssen, um eine ausreichende Knautschzone zu schaffen. Ein stabilerer Aufbau bedeut eben auch, dass Autos im Allgemeinen massiver werden. Das wiederum hat natürlich Auswirkungen auf das Parken.

Zur selben Zeit gibt es aber auch einen gegenläufigen Trend: während viele Verbraucher sich für immer größere Modelle entscheiden, werden kompakte Kleinwagen, auch angesichts der Vorteile bei der Suche nach einem Parkplatz, zunehmend beliebter.

Kleiner Wagen auf kleinem Parkplatz

Viele Parkplatz-Betreiber hat der Trend zum Kleinwagen dazu gebracht, eigene Kleinwagen-Parkplätze zu schaffen, so dass insgesamt mehr Autos geparkt werden können und Städte und Kommunen Pendlern Anreize bieten, zu kleineren, weniger verbrauchenden Modellen zu wechseln.

Und die entsprechenden technologischen Ausstattungen haben ebenfalls sprunghaft zugenommen. Sensoren, Kameras, Servolenkung und Einparkhilfen führen zu deutlich weniger Farbschrammen auf Säulen, Wänden und anderen Autos durch das Parken.

Aber es sind nicht nur die Ausstattungen der Autos, die diese Probleme beim Parken zu lösen versuchen: mobile Apps, vollautomatisierte Parksysteme und futuristisch anmutende Stapelsysteme helfen dabei, die Zukunft des Parkens umzugestalten. In der Zwischenzeit sollten Sie allerdings weiterhin ein Auge auf das Heck auf der Beifahrerseite haben. Oder lieber gleich in Texas parken.

Wir finden den besten Deal

Bitte warten Sie